Queen of my castle

Niemals werde ich den Moment vergessen, als ich zum ersten Mal in meiner ersten, komplett eigenen Wohnung stand. Eigentlich war ich mit dem Ziel auf Wohnungssuche, auch in meiner neuen Wahlheimat Halle eine WG zu finden, die mein neues Zuhause werden könnte. Doch irgendwie war alles, was ich fand, eine unglückliche Mischung aus coolen Leuten in hässlichen Wohnungen oder andersherum.

Doch dann das: dunkle Holzbalken plus Balkon in einer super Lage und das alles unfassbar günstig. Diese, meine, Wohnung habe ich seither selbst trotz zahlreicher Auslandsaufenthalte, Praktika und Reisen nicht wieder hergegeben.

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Mittwoch, 18 Uhr: Ein wenig gelangweilt und eher halbherzig öffne ich die Tür zum Kühlschrank – wie zum ungefähr einhundertsten Mal heute. Immer noch nichts außer gähnender Leere. Aus dem Inneren starren mich nur ein Stück Butter, eine halb verschrumpelte Zucchini und ein Glas Pesto an. Ein wenig wehleidig denke ich in diesem Moment ans WG-Leben zurück, in dem Mitbewohner:innen sich gegenseitig mit Mahlzeiten überraschen oder man zumindest hier und da, was aus dem Fach der anderen stibitzen kann. Resigniert schließe ich den Kühlschrank und mache mich daran, ein bisschen Nutella zu löffeln.

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Samstag, 13 Uhr: Aus den Boxen in meinem Wohnzimmer dröhnen laut 80er Chart-Hits, während ich, nur in meinen Morgenmantel gehüllt, ungeniert alle nur erdenklichen Michael Jackson-Moves auspacke und wie bei „Dancing with the stars“ durch die Wohnung fege. Dabei kann mir zum Glück völlig egal sein, wie ich aussehe oder mich anhöre, denn weit und breit ist niemand zu sehen außer meinen Zimmerpflanzen. Von so viel Elan und guter Laune überwältigt, verheddere ich mich fast an dem Geschirr-Berg vom Vortag. Um das aufzuräumen hat es mir gestern eindeutig an Lust und Motivation gefehlt. Pfff, was soll’s?! Immerhin liegt mir hier niemand in den Ohren, der am nächsten Morgen pünktlich seine Müslischüssel benutzen will. Wie durch ein Wunder fange ich das halbleere Weinglas, dass sich gerade von der Theke verabschieden will, noch im Flug auf und fühle mich dabei wie Houdini.

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Montag, 14 Uhr: Hastig reiße ich den eben erhaltenen Brief der Stadtwerke auf: die Nebenkostenabrechnung. Mich überkommt ein mulmiges Gefühl. Seitdem ich alleine wohne, ist derlei Post noch ein wenig unangenehmer als je zuvor. Denn alleine Wohnen ist teuer, also zumindest teurer, als wenn man sich mit anderen in Nebenkosten, Strom, Internet und Rundfunkgebühren rein teilen kann. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich irgendwann wieder auf den Luxus der eigenen vier Wände verzichten werde. Vorerst allerdings nicht: als ich sehe, dass ich für das vergangene Jahr kaum Beiträge nachzahlen muss, atme ich erleichtert auf.

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Erschöpft werfe ich meine Tasche in die Ecke des Wohnzimmers, meine Jacke lasse ich gleich am Eingang fallen und krame nach meinem Handy, um meine Lieblingsplaylist auf voller Lautstärke laufen zu lassen. Was für ein Tag! Jetzt retten mich nur noch die Reste des Currys von gestern Abend und der Schokopudding im Kühlschrank. Alles, was ich sonst noch will, ist mit Wollsocken und Netflix in meiner Couch versinken und mit niemandem reden zu müssen. Vielleicht frage ich meine beste Freundin später noch, ob sie vorbeikommen und sich spontan mit mir betrinken will, um dann bis in die Nacht zu quatschen und den Tag zu vergessen. Aber nur wenn mir danach ist, denn noch nie war ich so froh, meine eigenen vier Wände nur für mich allein zu haben.

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Freitag, 15 Uhr: Mein Rucksack steht gepackt an der Wohnungstür. Jetzt nur noch schnell den Müll mit runternehmen und dann kann es losgehen. Mein Blick streift ein letztes Mal durch die Wohnung und bleibt an der großen Monstera hängen – Mist! Ich habe mal wieder völlig vergessen, jemanden mit dem Gießen meiner Pflanzen zu beauftragen. Wenn meine Influencerin unter den Zimmerpflanzen eingeht, werde ich mir das nie verzeihen. „Jetzt könnte ich dringend ein paar Mitbewohner:innen brauchen“ grummle ich in mich hinein und setze schnell ein paar WhatsApp-Nachrichten an Freunde ab.

Ich kam, sah und wohnte

Das alles ist keine einfache Plus-Minus-Rechnung. Auch wenn ich nach jahrelanger WG-Erfahrung ein ganz klarer Fan des alleine Wohnens geworden bin, gibt es immer wieder Momente, in denen ich sehnsüchtig an das WG-Leben zurückdenke. Das sind vor allem die Abende, wo die sonst so geliebte Ruhe unfreiwillig wird. Dann wünsche ich mir das Gefühl zurück, dass einfach nur jemand „da“ ist – irgendwo in einem anderen Zimmer, komplett mit sich beschäftigt, aber vorhanden. Allerdings gibt es auch mindestens ebenso viele Momente, in denen ich heilfroh bin, mich zumindest beim Thema Wohnen mit niemand anderem als mir selbst auseinandersetzen zu müssen. Egal ob nervige Alltagsquerelen über Putzpläne und überquellende Mülleimer, Streit um Finanzen oder einfach zwischenmenschliche Spannungen: all das bleibt mir erspart und ich kann die Zeit und Energie dafür in andere Projekte stecken.

Mit all den Dingen, die in meinem Leben auf und ab gehen, bin ich vor allem froh, zu Hause meine Ruhe und einen Zufluchtsort zu haben. Hier kann ich sowohl ausspannen als auch kreativ werden, mich einigeln oder Besuch empfangen, faul, aber auch produktiv sein. In meiner eigenen Wohnung kann ich alles sein, was ich will – und das zu jeder Zeit.

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