Prä Schulabschluss – Lenas Reise

Puh, ist das alles lange her. Klasse 12 klingt wie gestern, aber irgendwie auch nicht.

Komischerweise ging es den wenigsten Leuten in meinem Umfeld so wie mir damals. Meine Freunde und Freundinnen wussten fast alle nicht, wohin die Reise gehen sollte. Ich war, soweit ich mich erinnere, die Einzige, die die nächsten fünf Jahre bis auf den letzten Monat durchgeplant hatte. Nicht, dass ich meine Entscheidung nie hinterfragt hätte. Vor allem gegen Ende der 12. Klasse spielte ich immer öfter mit dem Gedanken, Psychologie zu studieren, und habe mich letztendlich sowohl dafür als auch für Rechtswissenschaften beworben. Meine Interessen waren und sind breit gefächert und ein Blick in das „Studienwahl“-Handbuch genügte, um alles in Frage zu stellen. Hinzu kommen die ganzen Ratschläge von Familienmitgliedern, Freunden und Freundinnen, Bekannten und Lehrerinnen und Lehrern. Wie viele Menschen mir in meinem letzten Schuljahr gesagt haben, welcher Studiengang am besten zu mir passt, was ich auf keinen Fall studieren soll, wie das Leben nach der Schule aussieht, worauf ich mich besonders fokussieren sollte, welchen Schwerpunkt ich im Studium wählen soll und und und. Einer meiner Lehrer verstand nicht, weswegen ich mich als kreativer Mensch für einen „trockenen“ Studiengang entschied. Er war nicht der Einzige. Andere wiederum waren überzeugt davon, dass ich etwas mit Sprachen machen müsse. Trotzdem haben mich meine intensiven Studiengang-Vergleich-Sessions immer wieder zurück zum Recht geführt und tatsächlich fanden ohnehin die meisten, dass Jura gut zu mir passen würde und dass es das Richtige für mich sei. Meine Eltern, deren Meinung für mich die einzig wichtige war, hielten Jura für eine gute Wahl und hatten sich schon längst darauf eingestellt, dass ihre Tochter mal Juristin wird. Damit war die Studienwahl trotz einiger Zweifel für mich weniger kompliziert.

Berlin calling

Fest stand auch, dass ich nach Berlin ziehen würde. Für die Hauptstadt hatte ich mich ebenfalls mit 13 entschieden und daran hat sich bis zum Ende nichts geändert. Wie gesagt, mein Ziel war sehr konkret. Es war so konkret, dass ich manchmal den Eindruck hatte, schon angekommen zu sein, welches mich dazu verleitete, mich auf meinen guten Noten auszuruhen, die Füße hochzulegen und auf meine Zulassung von der Humboldt-Universität zu warten. Gut, ganz so übertrieben war es nicht. Ich habe trotzdem brav meine Hausaufgaben gemacht und im Unterricht mitgemacht, aber ich war nicht die gleiche überambitionierte Person wie in der 11. Klasse. Ich war während meiner Abschlussprüfungen auch irgendwie tiefenentspannt. Ich hatte doch meinen Plan, also was konnte schon schief gehen? Obwohl mir meine Noten sehr wichtig waren, reflektierte sich das in meinem Verhalten nicht und ich wurde einfach ein bisschen faul. Was soll ich sagen, es ist jetzt über drei Jahre her und ich bereue nichts, denn sonst wäre ich jetzt womöglich woanders und wer anders. Wenigstens kenne ich mich jetzt ein bisschen besser und weiß, dass ich kurz vorm Ziel noch einmal ordentlich Gas geben und nicht plötzlich mit dem Joggen anfangen sollte. Banal, I know.

Ca$!h

Ich muss zugeben, dass Selbstverwirklichung mit 17 auf meiner Prioritätenliste nicht auf Platz eins stand. Ich wollte später unabhängig und erfolgreich sein. Dass der Weg dorthin Spaß machen soll, war mir ein Begriff und ich wollte keineswegs meine Seele an Gesetzestexte verkaufen. Dennoch war ich bereit, meine kreativen Hobbys ein wenig in den Hintergrund zu stellen. Ich hatte ein Gefühl, dass Jura mir Spaß machen würde, aber bleiben wir ehrlich, die späteren Gehaltsaussichten waren bei meiner Studienwahl kein irrelevantes Kriterium. So schön und aufregend ich andere Studiengänge fand, ich war nie mutig genug, um mich für etwas zu entscheiden, das mir keine Sicherheit gab. Ich habe das große Glück, dass ich etwas gefunden habe, was mir diese Sicherheit gibt, mich aber gleichzeitig interessiert und glücklich macht. Der Aspekt Sicherheit ist für mich schon immer wichtig gewesen. Es hätte mich wahnsinnig gemacht, nicht zu wissen, wohin es geht. Zum Beispiel fliege ich auch nicht gerne. Zwar weiß ich beim Fliegen, wohin es geht, aber ich hasse dieses Herumschweben in der Luft. Lieber habe ich sicheren Boden unter den Füßen und das gilt in jedem Lebensbereich. #safetyfirst

Listen to yourself

Ich halte es trotzdem für EXTREM wichtig, ehrlich mit sich selbst zu sein und sich für einen Weg zu entscheiden, der nicht nur zum Ziel führt, sondern den man auch gerne geht. Man tut sich einen riesigen Gefallen, wenn man früh mit Selbstreflexion beginnt und sich mit seinen Stärken, Schwächen, Hobbys und Ambitionen auseinandersetzt. Ich weiß, dass es manchen leichter fällt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, als anderen, und es ist auch nichts dabei, Verschiedenes auszuprobieren und sich mit Hilfe der „learning by doing“-Methode an sich selbst heranzutasten. Es gibt Leute, die achtsam Bedienungsanleitungen lesen und Geräte dann informiert bedienen und dann gibt es Leute, die Knöpfe drücken und Hebel betätigen, bis das Gerät funktioniert. Wer’s kann, der kann’s und trifft sofort ins Schwarze. Es gibt keine allgemein gültige Formel, aber mit ein wenig Selbstvertrauen, Neugierde und Optimismus wird das schon.

Pläne hin oder her

Australien à la Lisa war für mich keine Option. Ich habe fast mein ganzes Leben im Ausland verbracht, bin viel gereist und so langweilig es auch klingen mag: Ich wollte einfach irgendwo hin, wo meine Muttersprache gesprochen wird und wo ich näher am Rest meiner Familie bin. Das Ausland läuft nicht weg und wenn mein Leben nach Plan läuft (ja, die nächsten 5 Jahre sind schon wieder durchgeplant), lande ich nach meiner fertigen Ausbildung sowieso schnell wieder im Ausland.

Mein Englischlehrer hat in seiner Rede am Tag unseres Abschlusses bewusst darauf hingewiesen, dass diejenigen, die am meisten planen, am härtesten vom Schicksal getroffen werden. Die Aussage fand ich damals lustig, und obwohl ich mir gut vorstellen konnte, dass sie auf vieles und viele zutrifft, habe ich mich nicht angesprochen gefühlt. Bei mir ging immer alles nach Plan (*hust* verwöhnte Prinzessin *hust*) und ich habe mir schlicht keine Sorgen gemacht. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, hätte ich dem 17-Jährigen Ich gerne klargemacht, dass das Leben einem öfter einen Strich durch die Rechnung zieht. Ich hätte damals wissen sollen und müssen, dass man nicht alles kontrollieren kann und dass ganz schön viele Neins auf einen zukommen und man lernen muss, diese zu akzeptieren und trotzdem weiterzumachen. In der Hinsicht haben es meiner Meinung nach diejenigen, die noch nicht so richtig wissen, was sie später mal machen wollen und keine konkrete Vorstellung von ihrer Zukunft haben, gar nicht so schlecht. Denn jede Annäherung an eine Entscheidung ist ein Erfolg und eine Konkretisierung des Ziels. Bei mir konnte alles nur nach Plan oder nicht nach Plan gehen. Wenn etwas nicht nach Plan ging, fühlte es sich automatisch nach einer Niederlage bzw. einer Entfernung vom Ziel an und ich habe ein Weilchen gebraucht, um zu verstehen, dass viele Wege zum Ziel führen können.

The struggle is real… und das ist absolut okay!

Deswegen finde ich, dass die letzten Monate der Schulzeit zwar eine tolle Zeit sind, um sich Gedanken zu machen, die eigenen Ziele zu konkretisieren und sich auf das Neue zu freuen. Gleichzeitig sollte man diese letzten Monate voll und ganz leben und genießen und sich nicht zu viel Druck machen, indem man schon mit einer Gehirnhälfte (die man übrigens für die Prüfungen braucht) in der Zukunft lebt. Zwischen Schulabschluss und Studium liegt so viel Zeit, wie man sich nimmt. Wenn man unsicher ist und sich gehetzt fühlt, muss man sich keineswegs gleich ins Studium stürzen. Wenn man unsicher ist, aber trotzdem gerne mit dem Studieren anfangen möchte, ist das auch kein Ding. Sollte die getroffene Studienwahl aber ein Griff ins Klo gewesen sein, kann man sich einfach die Hände waschen, die Klotür schließen und woanders nach Glück suchen. Wenn man sich all das vor Augen führt, kann man so manchen Stress und Druck im letzten Schuljahr möglicherweise loswerden und die Reise Richtung Schulabschluss voll und ganz genießen.

Kurz nach meiner letzten Prüfung habe ich alle meine Koffer gepackt und bin nach Berlin ausgewandert. Es vergingen vier relativ unproduktive Monate, und weil die Berliner Unis keine Kapazitäten für eine so tolle Studentin wie mich und ihr riesiges Ego hatten, musste ich woanders suchen. Am Ende landete ich in Halle und hier bin ich noch und werde ich noch ne Weile bleiben. Prost!

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