Musik bedeutet Freiheit

Der Schlagzeuger Kevin Kemnitzer hat in Halle seine berufliche und musikalische Heimat gefunden. Er profitiert hier von einer künstlerischen Infrastruktur, die sich von renommierten Jazzfestivals über die Uni-Bigband bis zur freien Szene und zu günstigen Proberäumen erstreckt.

Früh übt sich

Blickt Kevin Kemnitzer, Jahrgang 1993 und aufgewachsen in Plauen in Sachsen, auf seine musikalischen Anfänge zurück, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Es gibt Bilder von mir – da stehe ich als Kleinkind mit hochgestreckten Armen am Klavier.“ Früh übt sich: Kevin ging schon mit vier Jahren zur musikalischen Früherziehung. Nur durch diese Schulung gab es für ihn eine Ausnahmeregelung, ab dem sechsten Lebensjahr genoss er Schlagzeugunterricht am Konservatorium in Plauen. „Normalerweise startet man so etwas ab zwölf Jahren, die Beine müssen ja auch lang genug sein“, so Kevin, dessen Begabung schon früh auffiel. 2012, nach dem Abitur in Plauen, schulte er zudem seine pädagogischen Fähigkeiten. Kevin organisierte ein Jahr lang das Schulorchester in Plauen, 2013 ging es dann zum Lehramtsstudium „Musik und Philosophie“ in die Saalestadt.

Ein Extra-Lehrbeauftragter – Halles Studienvorteile

Obwohl er auch in Leipzig die Aufnahmeprüfungen bestanden hatte, entschied er sich bewusst für Halle. Warum? Kevin weiß es noch genau: „An der Martin-Luther-Universität konnte ich wesentlich mehr Praktika absolvieren. An der Uni gab es damals, zusammen mit mir, zwei Schlagzeuger. Für uns wurde sogar extra ein Lehrbeauftragter angestellt.“ Kevin hebt seine zufällige Sonderstellung auch bei einem weiteren entscheidenden Schritt hervor: „In einer größeren Stadt wäre ich vielleicht einer von fünfzig Schlagzeugern gewesen, in Halle bin ich auch heute noch einer von wenigen.“

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Band Tricky Notes aus Halle (Saale), Kevin Kemnitzer, Schlagzeuger aus Halle (Saale), Musik, Verwirklichen

Jazzsessions bieten eine Bühne

So fiel er bei Jazzsessions, die unbekannten Musikern eine Bühne und Instrumente bereitstellen und die beispielsweise regelmäßig in den Szeneclubs „Objekt5“ oder „Brohmers“ stattfinden, schneller auf. Bis zum festen Mitglied in der halleschen Folkrockband „Tricky Notes“, bis zur Gründung der „ALLive-Band“, die Jazz, Pop und Latin spielt, war es nicht mehr weit. Kevin erzählt: „Halle bietet eine künstlerische Szene, die ich mittlerweile – so gefühlt nach sechs Jahren – komplett überblicken kann.“ So fiel es leichter, in die Bands hineinzukommen oder Leute für eigene Projekte zu finden. Alle Musizierenden werden sich wohl auf ein Credo einigen können: Wichtig ist das Spielen – spielen, spielen und nochmals spielen. Erfahrungen konnte Kevin beim Landesjugendjazzorchester Sachsen-Anhalt sammeln, in einem Industriegebiet am Rand von Halle hat er einen günstigen Proberaum gefunden. Kevin lässt sich das Ironisieren der Klischees nicht nehmen: „Tatsächlich probe ich nicht in einem Keller, ich habe sogar Fenster!“

Ein Groove sagt mehr als tausend Worte

Und wer den Blick ins Freie schweifen lässt, hat auch eine Philosophie. Fragt man Kevin, was Musik für ihn bedeutet, blitzen die Augen: „Musik bedeutet Freiheit. Es ist eine Sprache. Ich kann Menschen, mit denen ich musiziere, viel besser verstehen.“ Für Kevin sagt das Nonverbale, der Groove, mehr als tausend Worte. Und selbst mit den ganz großen Stars kommt er in Halle in Berührung. Als festes Mitglied in der Uni-Bigband ist Kevin Stammgast beim internationalen „Women in Jazz“-Festival, das der Veranstalter Ulf Herden jährlich in Halle und Umgebung auf die Beine stellt. „Wenn du mit Topmusikerinnen wie Isabel Novella oder Shayna Steele zusammenspielst, lernst du natürlich eine Menge“, so Kevin, der lächelnd nachschiebt: „Auch wenn sie mich nicht sofort engagiert haben.“

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Gekommen, um zu bleiben

Dafür hat er einen Lehrauftrag an der hiesigen Universität, dafür verfolgt er sein Ziel, in der Musikpädagogik zu promovieren, weiterhin in der Saalestadt. Warum? Kevin muss nicht lange überlegen, er mag seinen eigenen Kiez in Halle-Neustadt, die Kulturangebote der Stadt, sein aufgebautes Netzwerk und die Freunde. Und als Naturfreund sind ihm die kurzen Wege ans Herz gewachsen: „Egal, wo ich in Halle bin: In zehn Minuten bin ich im Grünen.“ Kevin ist gekommen, um zu bleiben.

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