Angekommen: Linus und sein Eisfahrrad

Linus und sein Eisfahrrad

„In Halle erkannte ich schnell meine Möglichkeiten“

Wer kennt sie nicht: die fixen Ideen, die uns bei einem Spaziergang am Sonntag in den Kopf kommen. SpÀtestens am Montagmorgen haben wir sie meistens verworfen. Bei Linus war das anders. Vor rund einem Jahr hatte der Wahlhallenser die Idee, Eis auf einem Fahrrad zu verkaufen. Heute besitzt er das erste Eisfahrrad Halles.

Bevor sich Linus dazu entschied, nach Halle zu ziehen, kannte er die Stadt nicht. Das ist gar nicht ungewöhnlich, denn fĂŒr viele Menschen ist Halle ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ist man in der Stadt angekommen, entpuppt sich das Unbekannte hĂ€ufig als ein wahrer Geheimtipp. FĂŒr Linus war es Liebe auf den ersten Blick. Der Kieler erkannte schnell die Möglichkeiten, die einem die Stadt an der Saale bietet. „Halles LĂŒcken sind definitiv die StĂ€rken der Stadt“, sagt Linus. „Ich bin am Anfang des Jahres nach Halle gekommen. Als es im MĂ€rz langsam wĂ€rmer wurde, habe ich mir gewĂŒnscht, im Park ein Eis zu essen. Ich fragte mich, warum es das hier noch nicht gibt. Dann kam die Idee mit dem Fahrrad, und Eis war von Beginn an das Produkt meiner Wahl“, sagt Linus und lĂ€chelt.

„Ich arbeite dort, wo andere ihre Freizeit verbringen“

Linus verkauft sein Eis am liebsten auf der WĂŒrfelwiese, einer von Halles zahlreichen GrĂŒnflĂ€chen. Sie liegen hier mitten in der Stadt. FĂŒr viele, die Halle das erste Mal kennenlernen, ist es eine Überraschung, wie viele RĂŒckzugsorte diese grĂŒnen Lungen den Menschen bieten. Sobald im FrĂŒhling die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut zu spĂŒren sind, laden sie die Bewohner der Stadt zum Verweilen, Spazieren oder Sporttreiben ein.

„Mein Halle, das sind die grĂŒnen Orte der Stadt“, sagt Linus. „Ich habe hier schnell meinen kleinen Kosmos gefunden, in dem ich die Menschen mit Eis erfreuen kann. Der Weg von meiner Wohnung im Paulusviertel zur WĂŒrfelwiese ist einfach nur schön. Außerdem sind die Menschen in Halle neuen Ideen gegenĂŒber sehr aufgeschlossen. Ich und mein Eisfahrrad sind von Beginn an aufgefallen und kommen hier sehr gut an“, fĂŒgt er hinzu.

„Mein BauchgefĂŒhl hat mich nach Halle gebracht“

Die Entscheidung, in Halle zu leben, kam aus dem Bauch. Die Idee, das Eisfahrrad Wirklichkeit werden zu lassen, bot sich fĂŒr ihn geradezu an. Nach wenigen Wochen hatte er alle Dinge fĂŒr den Eisverkauf zusammen. Am Anfang brauchte er ein wenig Mut, seine Idee in die Tat umzusetzen. Linus bereut bis heute nichts – ganz im Gegenteil: „Ich möchte die Leute hier ermutigen, etwas Eigenes zu schaffen“, sagt Linus. „Man sollte unbedingt seine eigene Sache machen und bloß nicht daran denken, dass man neben der Spur sein könnte.

Studieren oder eine Ausbildung haben fĂŒr mich keinen Sinn gemacht. Ich habe es probiert, aber es ist nichts fĂŒr mich gewesen. Ich kann das Leben, so wie es jetzt ist, besser spĂŒren. Es war zwar nicht mein Traum, mit einem Eiswagen durch die Gegend zu fahren, aber die Intuition hat mit der Gelegenheit zusammengepasst. Das Schöne daran ist, dass Halle einem die Möglichkeit dazu gibt, eigene Projekte auch tatsĂ€chlich umzusetzen, eben weil es hier noch nicht alles im Überfluss gibt.“

In Kiel hĂ€tte Linus die Idee fĂŒr das Eisfahrrad wahrscheinlich nicht gehabt. „Dort gibt es diesbezĂŒglich schon sehr viel Angebot“, erklĂ€rt er. In Halle angekommen hatte er schnell einen Blick dafĂŒr, was in der Stadt noch fehlt und wo die Chancen fĂŒr ihn liegen. Er hat sie fĂŒr sich genutzt und erfrischt die Menschen in Halle mit einer Portion guter Laune an den schönsten Orten der Stadt.

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